Montag, 13. Juli 2015

Aus dem Leben - Der Fanclub

Eine der unzähligen Mutterverpflichtungen, die im Kleingedruckten des Schwangerschaftstestes gerne überlesen werden, ist jene der Pflichtfan-Mitgliedschaft.

„Die Person, im weiteren Text Mutter genannt, ist verpflichtet bei jeder Aufführung, Darbietung, Verleihung sowie an jedem Bewerb sportlicher oder künstlerischer Natur, anwesend zu sein. Sie ist weiters verpflichtet Begeisterung, Aufmerksamkeit und Stolz zu zeigen, zu applaudieren und an den richtigen Stellen zu lachen.“

Soweit so anstrengend genug! Ich sehe meinen Kindern meist sehr gerne dabei zu wie sie in ihrer verrückten Art Meisterleistungen vollbringen. Ich horte einen geschätzten Kubikmeter Zeichnungen und habe eine Unzahl von Filmchens am Computer, die für Außenstehende an Fadesse wohl kaum zu überbieten sind, für mich aber wahre Schätze darstellen. (Anmerkung: Kind beim Krabbeln, Kind beim Essen, Kind am Dreirad und dergleichen)
Ich kann somit beweisen, dass ich applaudiere, stolz bin und auch aufmerksam. An den richtigen Stellen zu lachen, fällt mir besonders leicht!

Aber wieso muss ich mich dazu in einen Turnsaal quetschen?
Mit 60 anderen Erwachsenen!
Bei der Hitze!
Wieso muss ich mir die Kinder der Anderen ansehen?
Alle!! ;-)

Ich habe ja nichts dagegen wenn mir die besten Freunde meines Nachwuchses etwas auf der Geige vorfideln. Egal wie krächzend. Das schaffe ich schon. Sie dürfen auch singen oder hüpfen (tanzen kann man das ja nicht immer nennen ;-).

Aber alle? Wir reden hier, nur um das mal klarzustellen, von zwei Klassen, einem Judoverein, einer Science Gruppe und einer Klavierklasse. Das sind locker 80 Kinder. Ich bin ja mittlerweile erleichtert, dass meine Tochter den Chor verweigert hat, oder das Cheerleading. Ganz zu Schweigen vom Fussball-Club, den ich meinem Sohn schmackhaft machen wollte.
Man stelle sich nur vor!

All diese wertvollen Nebenbeis fühlen sich offensichtlich verpflichtet am Ende des Jahres Rechenschaft abzuliefern. Quasi als „dafür-hast-du-dein-Geld-ausgegeben“. Und ich mit meiner Pflichtfan-Mitgliedschaft bin dann diejenige, die von Aufführung zu Aufführung tingelt, dazwischen die Einkäufe erledigt, die Bücher in die Bibliothek zurückbringt und den Zaharzttermin verschiebt, weil die kleine Miss da nämlich Probe hat.
Die Schulschlusszeit ist für uns Pflichtfans eine - nennen wir es - Herausforderung.

Aber:
Ich beschwere mich nicht.
Ich lese neuerdings nur das Kleingedruckte genauer!
:-)


7 Kommentare

  1. Oh yes.
    Wie schön, dass inzwischen schon Ferien sind. ;-)
    Liebe Grüße aus Kreta!
    Anneliese

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    1. FERIEN!!!
      Liebe Grüße nach Griechenland!!!
      Bussi

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  2. An der richtigen Stelle lachen.... das fällt mir gar nicht leicht!!!! Ich lache oft da wo es nicht hingehört! Welch bitterböse Blicke vom eigenen Kind, eventuellen anderen Kindern - und deren Müttern!!!! - da kommen...

    Und ich sag euch noch was: Augen auf bei der Berufswahl. Ich gebe mir nämlich derartige Veranstaltungen auch bei Kindern, die gar kein bissl mit mir verwandt sind. Im Juni schlagen zu Buche: einTheaterstück der Nachmittagsbetreueung das eigentlich ein Musical hätte sein sollen (ahhhhhhh!), ein Musik Vorspielabend, ein Nachmittag im Schwimmbad bei der Rutsche. Pfffff!

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  3. Bisher bin ich ziemlich verschont geblieben :-)
    Nur die Tanzaufführung hab ich heuer mitgemacht, aber die war wirklich entzückend!!
    Kann da sozusagen nicht so richtig mitrede - aber ihr tut mir ehrlich leid... ;-))
    LG; Claudia

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  4. Hahaha, herrlich! Genau! Toll geschrieben! Muss mich bei dir mal mehr umsehen..

    Grüssli Melli

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Ich freu mich immer narrisch, wenn ihr euch Zeit für einen Kommentar nehmt!

 
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