Freitag, 21. Juli 2017

entdeckt KW 29 - Vom Weltbild und den Karten

"Summertime, and the living is easy!"
Ich hoffe ihr verzeiht meine Postpause. Ich bin gerade ziemlich viel analog. ;-)

Aber etwas Interessantes habe ich trotzdem auf Lager für euch.
Es geht um Landkarten. Sie dienten früher und bis vor nicht allzulanger Zeit als Orientierungshilfe. "Wie komme ich von A nach B" - analog quasi. Seit es Navis und Handies gibt, hat sich das ja massiv verändert.

Trotzdem haben Landkarten noch eine enorm wichtige Rolle, denn wir nähren unser Weltbild aus ihnen.
Wir alle kennen die klassische Weltkarte. Europa in der Mitte, darunter Afrika, rechts riesengroß Russland, links dann - ein wenig am Rand - Amerika, Nord und Süd. Australien pickt irgendwie rechts unten gerade noch dran. Ebenso Neuseeland.

Bildquelle
Wir haben auch alle schon mal gehört, dass diese Karte ein wenig problematisch ist. Es ist nun mal so, daß unser Planet, naja, eine Möchtegern-Kugel ist und eben nicht eine Blatt Papier. (es war kartentechnisch alles so viel einfacher, als die Erde noch eine Scheibe war ;-)
Das bedeutet, dass die Darstellung der Kontinente und Meere - und damit auch die der Staaten - nicht der Realität entspricht.
Das ist alles beachtlich verzerrt.

Was per se ja nicht wirklich ein Problem darstellt, hätte der Mensch da nicht diesen Hang zur Selbstwiedererkennung, zum Dauer-Selbstwertgefühl-pushen, zum Seele-streicheln.

Diese Karte wie oben gezeigt ist demnach in Australien nicht nur nicht beliebt. Sie wird schlicht nicht verwendet. Dort lebt man eine andere Karte.

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Man könnte aber auch so:
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Nein, das ist kein Scherz. Und: nein, die Welt steht nicht Kopf. Es gibt nämlich genau genommen kein oben und unten im All. (fürdenfall,dassdasgeradejemandbehauptenmöchte).
Wer dieses Gefühl hat, ist im Grunde genommen, der Karte, die wir eben unser ganzes Leben lang gesehen haben, schon auf den Leim gegangen.

Klar, worauf ich hinaus will?
Es ist alles eine Sache des Blickwinkels.
Alles relativ.

Bildquelle

In den USA wird übrigens die "europäische" Karte benutzt, was vermutlich zum Teil an der Kolonialisierung liegt zum Teil daran, dass es optisch schöner ist den Ozean zu teilen und nicht Asien.

Soweit so Mittelpunkt der Welt.

Nun zur Größe: Da die Landflächen oben und unten auf der Karte wie ein dünner Jersey gestrecht daliegen (Nähmamametapher), ergibt sich für die Form der meisten Staaten ein verzerrtes Bild.
Einzig was am Äquator liegt sieht aus wie es aussieht.

Hier ein Beispiel: Asien, Afrika und Australien - so wie wir es kennen

Bildschirmfoto aus TheTrueSize

Würde Russland (blau) am Äquator liegen, sähe es anders aus und wäre auch beachtlich kleiner
Australien (rotpink) oben im Norden käme wiederum gigantisch daher.

Bildschirmfoto von TheTrueSize

Dieserlei bewußsteinerweiternde Spielerei kann man auf der Seite TheTrueSize erleben. Man gibt den Namen eines Landes ein und schiebt es auf der Weltkarte herum. Da tut sich dann schon was.
Ich empfehle ein paar selten benutzte afrikanische Länder durch die Gegend zu schieben. Das verleiht Respekt.

Und es ist ganz schnell klar.
Europa ist irgendwie klein!
:-)


Freitag, 14. Juli 2017

gesehen KW 28 - Wölfe bzw. die trophische Kaskade

Ihr habt es sicher schon irgendwo gelesen oder gehört: die Wölfe kommen zurück. Zurück in die Alpen, zurück in die Schweiz, zurück nach Deutschland, zurück nach Österreich.

Und mit den Wölfen kommt die Diskussion: sind sie gut, sind sie böse? Die einen lieben sie, die anderen fürchten sie.
Aber um Gefühle dieser Art geht es heute und hier gar nicht.
Es geht um die trophische Kaskade.

Hehehehe!

Photo by Ray Hennessy on Unsplash
Laut Wikipedia ist eine trophische Kaskade eine über die Nahrungskette vermittelte Veränderung der Produktion eines Ökosystems durch den Einfluss von Räubern.

Jetzt seid ihr natürlich gleich systemisch klüger. Ich erläutere es trotzdem hier nochmal anhand des Beispiels, das mir in den letzten Monaten mehrfach untergekommen ist.

Ort unserer Geschichte: der Yellowstone Nationalpark in den USA. 70 Jahre lang gab es dort keine Wölfe mehr. Sie waren gejagt bzw. vertrieben worden.
Bis 1995 eine Handvoll Wölfe ausgesetzt wurde.
Nun war das Konzept der trophischen Kaskade ja bekannt, allerdings ist es mehr ein Modell. Wirklich gelebte Beispiele gibt es nicht viele.
Es war demnach erwartet worden, dass sich der Park verändern würde, wenn die Wölfe ihre Rolle im Ökosystem übernehmen. Wie sehr er sich dann aber veränderte, überraschte dann auch die Wissenschaftler.

Photo by Katelyn Wamsley on Unsplash

Ich versuche jetzt mal eine in etwa Reihenfolge aufzuzählen, von dem was geschah.

- Die Wölfe wurden wieder angesiedelt und jagten das Rotwild und die Elche, die den Park in einer ungebändigten Vielzahl bewohnten.
-  Die Anzahl der getöteten Tiere ist dabei eine geringe. Allerdings änderten die Tiere ihr Verhalten. Sie konnten nun nicht mehr entspannt grasen, wo auch immer sie wollten und schon gar nicht solange bis alles weggefuttert war. Nein.
- Sie begannen zu wandern, ihren Standort häufig zu wechseln. Deutlich öfter Gebiete aufzusuchen, die ein Verstecken leichter machten. Nicht mehr offenes Land.
- Das hatte zur Folge, das ebendiese abgegrasten Flächen sich erholen konnten und innerhalb kürzester Zeit eine vielfältige Vegetation hervorbrachten.
- Bäume wuchsen, Büsche, die Beeren trugen.
- Eine Vielzahl von Vögeln kam zurück in diese Gebiete.
- Biber kamen zurück in den Park.
- Die Biber wiederum bauen bekanntlich Dämme, und dadurch entstehen weitere neue Nischen in denen wiederum Tiere leben können, die bis dahin kein geeignetes Terrain vorfanden. Einige Fische kamen wieder; dazu Otter und einige Reptilien und Amphibien.
- Nachdem die Wölfe auch Coyoten jagten, stieg daraufhin die Zahl der Hasen und Mäuse an
- was wiederum dazu führte, dass Falken und Adler zurück in den Park kamen.

Photo by James Padolsey on Unsplash

- durch die dichtere Vegetation wurde verhindert, dass der Boden weiter erodiert und kostbare Erde für immer weggespült wird.
- Die Flussufer wurden durch den Bewuchs stabilisiert. Die Flüsse blieben mehr in ihrem Flussbett. Stellenweise passten sich die Flussverläufe den neuen Begebenheiten an. Sie veränderten ihre Bahnen.

Demnach veränderten die Wölfe nicht nur das Ökosystem beträchtlich, sie veränderten sogar sein Aussehen.

Ich sag's immer wieder: wir wissen nichts.
Und: es macht solchen Spaß so etwas zu entdecken.
Habt ein schönes Wochenende!


Hier eines der vielen Videos, die diese Geschichte erzählen.

Donnerstag, 13. Juli 2017

Ein Testteil mit Fotoproblemen

Es ist doch so: Fotos von Frauen haben dieselbigen in möglichst vorteilhafter Weise darzustellen. Jung, faltenlos, gut proportioniert und bevorzugt spindeldürr.
Gut. Das meiste davon krieg' ich mittlerweile nur mehr hin, wenn es zappenduster ist. Besoners schwierig finde ich es aber wenn
- ich ein Testteil genäht habe, das nicht optimal sitzt
- diese Testteil aus einem Stoff genäht ist, der mir das Herz bricht, weil er ganz anders aussieht als damals im Online-Shop und eigentlich aus farblichen Grundsätzen gar nicht an mich randürfte ..
- ich meine Haare im Bett gelassen habe ... Sommerferien
- mein Makeup auch irgendwie auf Urlaub ist.

Ich habe es versucht. Ein Foto hinzubekommen. Dieses ist dasjenige, welches wohl am besten ausdrückt, wie es mir in diesem Testteil so geht.


Ihr müsst mir also glauben, dass es hinten im Rücken eigenartige Falten gibt und dass die Ärmel irgendwie abstehen.
Ich werde jetzt mal ein Eis essen und danach überlegen, was ich denn jetzt mache. Ich habe nämlich einen Stoff in dem ich vermutlich - bei genau demselben Schnitt - deutlich besser aussehen würde ...

Ach, frau hat's nicht leicht.
Habe ich erwähnt, wir sind in Woche 2 der Sommerferien.
Eigentlich komm' ich gar nicht zum Nähen!

Dienstag, 11. Juli 2017

Die erste Woche ist immer der Hammer



Frau kennt ja die eigenen G'schroppn. Frau weiß ja, was da auf sie zukommt, aber am Ende ist es dann doch so, dass frau von der Wucht der Sommerferien beeindruckt ist.

Die 1. Woche ist immer der Hammer! Die Umstellung im Schlaf/Wach und überhaupt-Rhythmus und das Zusammenraufen aller Charaktere auf ein mehr oder weniger "immer-zusammen". Das geht in die Knochen der Frau Mama. Das spürt man. Das ist der erste Belastungstest.

Die Sommerferien in Österreich sind nix für schwache Nerven. Schön und schön lang, betreuungstechnisch ein Alptraum für jeden Berufstätigen und für jeden nicht-Berufstätigen auch. Also .. ja schon.

Nun könnte ich hier ganz ganz viel schreiben über die Ungleichbehandlung von Mann und Frau und von der frechen Ausbeuterei, der Mütter unterliegen, aber ich habe keine Zeit. Ist nämlich schon Woche 2 ... wir sind warmgelaufen!

Schau' ma mal!


Montag, 10. Juli 2017

Offene Ohren 3 - Die Walküre

Neulich bei uns im Haus; Kinderzimmertüre zu, durch sie dröhnt Wagner, Mama kann hören, wie drinnen wild herumgehüpft wird. Die Walküre ritt im Kinderzimmer. Vollgas!

Wie kam es dazu?
Wir hatten uns beim Abendessen erinnert, an all die Serien, die die Kids "damals" geschaut haben. Als sie noch "klein" waren. Als eine Fernsehsendung zwischen 5 und 10 Minuten dauerte. Da waren die Teletubbies, Bob der Baumeister und da war vor allem Pocoyo. Pocoyo war der Renner. Wir hatten eine DVD mit Folgen in Deutsch (die Serie ist Original in Englisch). Ich habe es nie geschafft Sendungen aufzunehmen. Hat einfach nicht geklappt.

Und wie wir so an Pocoyo denken, fällt ihnen gleich ganz schnell die Folge ein, die eine mit der Musik und den Blöcken, die sich bewegen und in der die Ente von ebendiesen Blöcken in gefährliche Höhen entführt wird, weil die Musik so groß ist .. Ah ja, Mama, die MUSIK!

An alle Kleinkinder-Mamas: Pocoyo kann ich aus tiefstem Herzen empfehlen!

Seinerzeit dachte ich mir schon. "Das wird haften bleiben!"-  Ach, manchmal ist es schon schön, wenn man richtig liegt! ;-)

Und da ich ja, wie hier schon erklärt, meinen Kinder die Ohren für große Musik offen halten möchte, sind wir gleich auf die Jagd nach der Walküre gegangen.
Wagner. Oper. Heavy Stuff.
Geht runter wie Omas genialer Kakao!
Die Walküre rockt.


Den Ring des Nibelungen, den trau' ich mich noch nicht so recht zu erwähnen, aber Walküre ist ihnen ohnehin ein Begriff. Eigenartigerweise kennen meine Kids Walküre.


Aber aus einer ganz anderen Ecke.
Meine Familie spielt ja. Am Brett und auch digital. Und der Oberspieler im Kreise ist der Papa und der meinte dann doch prompt, dass es im Clash of Clans auch eine Walküre gibt. Die ist den Kindern ein Begriff.

"Walküre ist sehr gut für Bodenangriffe, sie ist schnell und stark gegen Clanburgtruppen!" - WTF??

Persönlich bin ich da nicht so heikel. Der kleine Mister hat sagentechnisch einen beachtlichen Hintergrund (hat er irgendwann mal gelesen), aber wenn die Kinder heutzutage die Walküre als saucoole Rockerkämpferin erleben, sehe ich das durchaus positiv.
Diese Ritterrüstungs-Walküren sind ja sowieso ein wenig passé.

Die Musik bleibt trotzdem absolut hörenswert!


Mehr davon:

Offene Ohren oder die Sache mit
der Klassik - Händel
Offene Ohren 2 - Dornröschen



Freitag, 7. Juli 2017

gelesen KW 27 - Der Wald am Dach oder vom sauren Regen

Man kennt das ja vom Garten, von der Terrasse. Wenn da wo ein kleiner Spalt ist zwischen den Stein/Holzplatten, dann dauert es nicht lange und dann wächst da was. Klein. Grün. Überall.

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Nun gibt es dieses Phänomen aber nicht nur unten am Boden, nein, Grünzeug wächst auch schon mal auf Dächern. Zwischen Dachschindeln. So geschehen am Stephansdom. Der wurde gerade "gerodet". Seit es keinen sauren Regen mehr gibt, wächst und gedeiht es am Domdach nämlich ganz hervorragend. Eine 1,30m hohe Silberpappel hat man da herausgeholt, nebst allerlei anderem Gestrüpp.

Nun ist das Dach des Doms aber ausnehmend schräg, also spitz. Da kommt man nicht so simpel hin.
Und: das Dach des Doms ist riesig. Richtig richtig riesig. Mehr Feld als Garten. Unkrautjäten am Dom ist demnach ein anstrengendes Großprojekt.
Schmunzel trotzdem*

Source
So. Nun noch kurz zum sauren Regen. Das war ja mal ganz groß in den Nachrichten. Sauerer Regen und Waldsterben. Frau erinnert sich.

Prinzipiell ist Regen eigentlich, also chemisch gesehen, immer sauer. Das liegt daran, daß da nicht "nur" Wasser vom Himmel fällt, sondern eben daß dieses Wasser auf dem Weg nach unten CO2 (Kohlendioxid) aufnimmt. Das ergibt dann Kohlensäure. Keine starke Säure, nix dramatisches, aber reines Wasser ist es eben nicht. Und der pH Wert liegt dann bei 5,5 bis 5,7 (7 wäre neutral - falls das grad wer nicht bei der Hand hat).

In der Zeit vor dem Autokatalysator und den Filtern in den Fabriksschloten, war eine beachtliche Menge Stickoxide und Schwefeloxide in der Luft. Die entstehen bei unvollständigen Verbrennungen.


Stickoxide ergeben gelöst (über mehrere Schritte) Salpetersäure und Schwefeloxide verwandeln sich in Schwefelsäure.
2 ausnehmend unangenehme Säuren, die schon in niedriger Konzentration Schaden anrichten können. Ergo das Waldsterben.

Was lernt frau daraus?
Nun zum einen, es hilft tatsächlich: Umweltschutz kann etwas ändern
und zum anderen: wie immer hat jede Medaille zwei Seiten, sauberes Wasser führt dazu, dass das Leben an verschiedenen, auch sehr unüblichen, Plätzen lebenswert wird ...

... und dann hängen die Leute am Dach vom Dom und kratzen Grünzeug
aus den Ritzen ... so ist das!


Kleine chemische Anmerkung noch: Nebel kann noch mehr Säure aufnehmen als Regen und kann somit auch deutliche saurer werden ...


Gelesen bzw. nachgelesen hier:
ORF Wien
Wikipedia

 
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